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Informationstagung des KAV NW zu Fragen des demografischen Wandels am Beispiel der kommunalen Nahverkehrsunternehmen

(vom 01.06.2017)

Am 31. Mai 2017 hat in Bochum eine Informationstagung des KAV NW für kommunale Unternehmen zu Fragen des demografischen Wandels - am Beispiel der kommunalen Nahverkehrsunternehmen - stattgefunden. Auf der Tagung ist nochmals die Bedeutung der Demografieproblematik für die Unternehmen dargestellt worden. Insbesondere sind Praxisberichte mit konkreten Beispielen aus Unternehmen vorgestellt worden.

Der Vorstand der BOGESTRA AG und Vorsitzenden des Gruppenausschusses des KAV NW für Nahverkehrsbetriebe und Häfen, Herrn Gisbert Schlotzhauer, stellte in seinen einführenden Worten die Wirkung des demografischen Wandels für die Unternehmen dar und ging rückblickend auf den diesbezüglichen tarifpolitischen Entwicklungsprozess ein. Sodann schlug er in seinem Vortrag einen inhaltlichen Bogen zu aktuellen Entwicklungen, u.a. bei den Themen Arbeit 4.0 und Digitalisierung von Arbeitsprozessen, die ebenfalls tarifpolitische Relevanz erhalten könnten.

Gisbert Schlotzhauer (BOGESTRA AG)

In dem anschließenden Statement des Hauptgeschäftsführers des KAV NW, Herrn Dr. Bernhard Langenbrinck, wurde die Demografieproblematik in den Kontext weiterer tarifpolitischer Fragestellungen gestellt. Er führte aus, dass die Demografieproblematik alle Bereiche des kommunalen öffentlichen Dienstes beträfe und inhaltlich mit weiteren wichtigen Fragestellungen verzahnt sei, von Fragen des Gesundheitsschutzes bis zu veränderten Personalmanagementstrategien. Aus verbandspolitischer Sicht wies er auf die zunehmende flächentarifpolitische Klammerwirkung hin, wonach inzwischen sieben Kommunale Arbeitgeberverbände unmittelbar inhaltlich mit dem Demografie-Tarifvertrag für den Nahverkehr verzahnt seien. Die heutige Tagung setze bei der Aufbereitung der Demografiethematik bewusst auf Vorträge über konkrete Praxiserfahrungen aus verschiedenen Unternehmen mit jeweils unterschiedlichem Blickwinkel um aufzuzeigen, unter welchen vielfältigen Aspekten die Problematik des demografischen Wandels vor Ort angegangen würde.

Dr. Bernhard Langenbrinck (KAV NW)

Zu der Grundkonzeption der demografietarifvertraglichen Regelung und dem Umsetzungsstand in Nordrhein-Westfalen ging Herr Referent Dirk Brand vom KAV NW vertiefend auf konkrete Maßnahmen ein, die vor Ort auf der Grundlage von inzwischen flächig abgeschlossenen - Betriebsvereinbarungen umgesetzt würden. Aufgrund einer älter werdenden Belegschaft einerseits und einem geringer werdenden Reservoir an Nachwuchskräften andererseits werde es zunehmend wichtig, Erwerbspersonen- und Zeitpotenziale zu heben und Produktivitätsfortschritte zu realisieren. Die Durchführung von Altersstruktur- und Demografieanalysen, die Implementierung von Gesundheitsfördermaßnahmen und die demografieorientierte Führungskräfteschulung seien hier beispielhaft für eine mögliche Vorgehensweise zur Bewältigung der Demografieproblematik vor Ort zu nennen. Im Zusammenhang mit Fragestellungen des Hebens und Nutzens von Potenzialen ging er u.a. auf Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, neue Arbeitszeit- und Entgeltmodelle sowie Fragen des lebenslangen Lernens ein.

Dirk Brand (KAV NW)

Der Leiter des Fahrbetriebs der Hagener Straßenbahn AG, Herr Thomas Wessinghage, berichtete in seinem Vortrag über Umsetzungsmaßnahmen zur Optimierung des Dienstplanes im Spannungsfeld des demografischen Wandels. Neben den betrieblichen Interessen seien hier auch die Erwartungen der Beschäftigten in die Überlegungen einbezogen worden. Dabei standen Themen wie Ruhezeiten, Begrenzung der Dienstlängen, Identifizierung besonders belastender Dienste oder auch ggf. Mischarbeit im Fokus. Anhand von speziellen Kriterien, u.a. Fahrzeugwechsel, Dienstlängen, „stressreiche Linien“, Pausenlage etc. habe im Unternehmen eine qualitative Bewertung der Dienstplansituation stattgefunden. Im Rahmen der weiteren prozessualen Gestaltung der Dienstpläne im Lichte der demografischen Entwicklung stünden Themen wie die Steuerung der Dienstlängen für langjährige und leistungsgeminderte Mitarbeiter oder auch eine optimierte Berücksichtigung von Mischarbeit und Teilzeit im Raum.

Thomas Wessinghage (Hagener Straßenbahn AG)

In seinem Vortrag über das Konzept zum Umgang mit leistungsgeminderten Beschäftigten im Fahrdienst als Maßnahme des demografischen Wandels ging Herr Heiner Wickert, Prokurist der Vestischen Straßenbahnen GmbH, auf die hierzu im Unternehmen abgeschlossene Rahmenbetriebsvereinbarung ein. Ziel im Unternehmen sei es gewesen, von einem unstrukturierten zu einem objektiven Verfahren beim Umgang mit leistungsgeminderten Beschäftigten überzugehen. Bei der Grundidee, einen Beschäftigten von seinem ursprünglichen Arbeitsplatz auf einen leidensgerechten Arbeitsplatz umzusetzen, stehe das Thema „Mentalitätsänderung“ ganz vorne an. Bei der Zuordnung von Stellen im Stellenplan, die für leistungsgeminderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorgesehen seien, würden aufgrund einer hierauf beruhenden Sozialpunkteermittlung, die an Kriterien wie Lebensalter, Betriebszugehörigkeit und soziale Aspekte anknüpfe, geprüft, inwieweit eine befristete Umsetzung eines Beschäftigten auf einen leistungsgeminderten Arbeitsplatz stattfinden könne. Grundvoraussetzung für das Gesamtsystem sei die Durchführung einer Demografieanalyse sowie die Nutzung des Demografiebudgets.

Heiner Wickert (Vestische Straßenbahn GmbH)

Die Geschäftsbereichsleiterin Personal und Organisation der Bochum– Gelsenkirchener Straßenbahn AG (BOGESTRA), Frau Alexandra Medzech, legte den Schwerpunkt in ihrem Vortrag auf das Thema „Führung und Gesundheit“. Zu dem im Unternehmen eingesetzten „BGM-Werkzeugkasten“ berichtete sie über einzelne Elemente, wie z.B. Gesundheit 50plus, Azubi-Gesundheit, Führungskräfteentwicklung, Unfallnachsorge, Fragen der Arbeitssicherheit, des arbeitsmedizinischen Dienstes, des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM), der Sozialberatung, der Organisationsentwicklung, des innerbetrieblich neu gestalteten Prozesses der Krankmeldung und weitere Einzelmaßnahmen der Gesundheitsförderung. In ihrer Abschlussbewertung ging sie auf die Eigenbeiträge der Arbeitnehmer und auf Fragen der Praxistauglichkeit und der Wirksamkeit von Demografiemaßnahmen ein.

Alexandra Medzech (BOGESTRA AG)

In dem Vortrag von Frau Eva Wippich, Prokuristin bei DSW21, stand das Thema „Demografie-Teilzeit“ im Vordergrund. Infolge des Demografietarifvertrages sei eine Betriebsvereinbarung zur Reduzierung der Arbeitszeit für einen gleitenden Übergang in den Ruhestand mit der Zielrichtung vereinbart worden, eine Verringerung der Belastung bei den Beschäftigten verbunden mit einer Stärkung ihrer Beschäftigungsfähigkeit zu erreichen, Fahrdienstuntauglichkeit zu vermeiden und die Fehlzeitenquote zu senken. Da sich bei den Beschäftigtengruppen, die dieses Angebot wahrgenommen haben, hinsichtlich der Fahrdienstuntauglichkeit und der Fehlzeitenquote positive Entwicklungen ergeben hätten, werde derzeit die Frage einer Verlängerung dieser Demografiemaßnahme diskutiert. In ihrem Vortrag stellte sie im Weiteren anhand einzelner Berechnungsbeispiele dar, wie sich die Umsetzung einer „Demografie-Teilzeit“ im konkreten Fall auf Arbeitszeit und Entgelt eines Beschäftigten auswirke.

Eva Wippich (DSW21)

Frau Viktoria Fromme, Sachgebietsleiterin Gesundheit und Soziales bei der Rheinbahn AG, stellte in ihrem Vortrag das Projekt „Haus der Arbeitsfähigkeit“ vor, bei dem die Themen „Arbeit“, „Gesundheit“, „Einstellung“ und „Kompetenz“ in eine Balance gebracht werden. Bei der Ausgangsfrage, wem eine „gute Arbeitsfähigkeit“ nutze, seien aus Sicht des Mitarbeiters Aspekte wie besseres Arbeitsleben/Teilhabe am Erwerbsleben, höheres Wohlbefinden und höhere Lebensqualität von Bedeutung. Bei der Rheinbahn stünden neben den Aspekten Produktivität und Leistung dabei auch noch die Punkte „Reduzierung von Krankentagen“ und „eine geringere Quote an vorzeitigem, krankheitsbedingten Ausscheiden von Mitarbeitern“ im Fokus. Frau Fromme ging in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse einer durchgeführten Umfrage zur demografischen Ausgangssituation im Unternehmen ein, aus der sich deutliche Unterschiede zwischen den Tätigkeitsbereichen Fahrdienst, Werkstatt/Technik und Verwaltung - aber auch z.B. je nach Alter variierende Antworten - ergaben. Zu der Fragestellung der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben durch Entlastung und Unterstützung der Mitarbeiter in Stresssituationen bzw. schwierigen Lebenssituationen stellte sie sodann das Familienservice-Angebot dar, welches speziell Beratung rund um Kinderbetreuung, Kinderbetreuung im Notfall, Beratung und Hilfe bei der Organisation der Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen, Beratung in schwierigen Lebenslagen sowie Beratung bei Finanz– und Budgetfragen umfassen würde.

Viktoria Fromme (Rheinbahn AG)

In der anschließenden Diskussion wurde betont, wie wichtig es sei, die zur Bewältigung der Demografieproblematik eingesetzten finanziellen Mittel - wie in den Vorträgen beispielhaft dargestellt - konkret gestaltend einzusetzen. Die Informationstagung habe gute Impulse und weiterführende Informationen gebracht.

Die Demografietagung des KAV NW am 31. Mai 2017 mit Berichten über konkrete Praxiserfahrungen stieß auf große Resonanz
Referentinnen und Referenten der Demografietagung des KAV NW v.l.n.r.: Dr. Bernhard Langenbrinck (KAV NW), Eva Wippich (DSW21), Gisbert Schlotzhauer (BOGESTRA AG), Dirk Brand (KAV NW), Alexandra Medzech (BOGESTRA AG), Heiner Wickert (Vestische Straßenbahn GmbH), Viktoria Fromme (Rheinbahn AG), Thomas Wessinghage (Hagener Straßenbahn GmbH)
Tagungsteilnehmer der Demografietagung des KAV NW im Gespräch
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